Der passionierte Kaffeetrinker gilt normalerweise als einer der glücklichsten Menschen auf der Welt. Er ist, so heißt es, und dies kann man an sich selbst schnell überprüfen, bereits damit zufrieden und glücklich, am Morgen den Duft seines Lieblingskaffees zu riechen und den Tag mit einem genießerischen Schluck davon zu beginnen. Bei dem einen ist es der frisch gemahlene und zubereitete Espresso, bei dem anderen der klassische Filterkaffee aus frisch gerösteten Kaffeebohnen. Gelegentlich – und einem solchen Moment wollen wir nachstehend nachgehen – mögen die Gedanken bei der täglichen Tasse Kaffee abschweifen und die eine oder andere Frage zu seinem Lieblingsgetränk aufwerfen. Zum Beispiel: Wo wird Kaffee angebaut?

Warum gibt es in der Norddeutschen Tiefebene nicht eine einzige Kaffeeplantage?

Wer die Gelegenheit hat, den Hamburger Hafen zu besuchen und an den alten Kaimauern der Hansestadt entlang zu schlendern, wird vielleicht den Geist des ehemaligen Kaffeehandels noch spüren, der einst hier und an anderen Häfen wirkte. Welchen Grund aber gibt es, der den Transport der Kaffeebohne per Übersee erforderlich macht? Warum kann die Kaffeebohne nicht um die Ecke beispielsweise in der Lüneburger Heide oder auf dem Brocken im Harz angebaut werden? Die Antwort auf diese Fragen ist einfach: Was Deutschland zum Kaffeeanbauland fehlt ist das geeignete Klima.

Was ist ein Kaffeegürtel?

Deutschland gehört nicht zu einem der 80 Länder auf der Welt, in denen Kaffee angebaut wird. Deutschland hat auch nichts mit diesem Gürtel zu tun. Kaffeegürtel? Was sich wie die Erfindung für einen dauermüden Superhelden anhört ist in Wirklichkeit die Bezeichnung für die Regionen, in denen Kaffee heute wachsen kann und geerntet wird. Genauer gesagt handelt es sich um einen Streifen zwischen dem 23. Breitengrad nördlicher Breite und dem 25. Breitengrad südlicher Breite.

Was macht diese Regionen für den Kaffeeanbau so besonders?

Anders ausgedrückt bezeichnet der Kaffee-Gürtel ein Gebiet um den Äquator herum. Diese Region verfügt über ein trocken-feuchtes Wechselklima, mit viel Niederschlag und ziemlich gleichbleibenden Temperaturen. Bedingungen, die Kaffee liebt. Hinzu kommen die Passatwinde und besonders das Fehlen von Frost. Letztere Bedingung ist es vornehmlich, die den Harz als Kaffeeanbauland ausschließt. Unterschiede innerhalb des Anbaulandes für Kaffee bringt die Höhe mit sich. Je höher das Land, umso länger dauert die Reifezeit des Kaffees. Bestandteile des Gürtels sind Afrika, das südliche Asien, Mittelamerika, Südamerika, Australien und die Karibik.

Noch ein Wort zu den Bedingungen des Kaffeeanbaus

Kaffee liebt gleichbleibende und verträgt auf der anderen Seite nicht den Wechsel extremer Temperaturen. Am besten gedeiht der Kaffee an einem windgeschützten Ort mit ausreichend Feuchtigkeit. Die Sonne sollte nicht prall auf ihn scheinen können, der Boden ist leicht sauer und reich an Nährstoffen.

In welchen Ländern wird am meisten Kaffee angebaut?

Eingangs erwähnten wir eine Zahl von 80 Ländern, in denen Kaffee wächst. Die wenigsten davon produzieren genug, um ihn exportieren zu können. Etwa die Hälfte allen Kaffees kommt aus genau drei Ländern: Brasilien, Vietnam und Indonesien. Ein Blick in den Atlas bestätigt: Alle drei Staaten liegen im Kaffeegürtel. Diese drei Ländern erwirtschaften etwas mehr als die Hälfte des Kaffees weltweit, wobei die Stellung Brasilien noch einmal herausgehoben werden muss. Im Land des Fußballs wird etwa ein Drittel der Weltproduktion an Kaffee erzielt.

Auf den weiteren Plätzen im Kaffee-Herstellungsranking folgen Kolumbien, Äthiopien, Peru, Indien, Honduras, Guatemala und Mexiko. Ein Blick auf diese Länder verdeutlicht, welchen Stellenwert der Export von Kaffee für diese Staaten hat.

Wie groß sind die Kaffeeanbaugebiete?

Man geht davon aus, dass etwa zehn Millionen Hektar heute als Anbaugebiet für Kaffee genutzt wird. Auch hier hat Brasilien mit 2,7 Millionen Hektar die Nase ganz weit vorne. Man erkennt brasilianischen Kaffee an seiner Mild- und Weichheit. Die Anbaugebiete liegen vor allem im und am Hochplateau um Sao Paolo. Man spricht übrigens ab einer Höhe von 1.000 Meter von Hochlandkaffee. Etwas überraschend mögen die Platzierungen von Vietnam und Indonesien im Kaffee-Anbau-Ranking haben. Beide Länder haben sich diesen Platz erst in den letzten Jahren erarbeitet – durchaus nicht unverdient, nimmt man die Qualität des Kaffees zur Grundlage für diese Beurteilung. Allerdings spielt auch Quantität – zumindest in Vietnam – eine nicht untergeordnete Rolle. Während Brasilien der größte Lieferant für Arabica-Bohnen ist, nimmt Vietnam diese Stellung für die Robusta-Bohne ein.

Die Anbaugebiete in Indonesien profitieren von der fruchtbaren Vulkanerde. Hier wachsen Bohnen, die einen erdigen Geschmack, einen vollen Körper und ein weiches Aroma vereinen. Nicht umsonst ist Kaffee aus indonesischer Produktion als häufiger Bestandteil in Kaffeemischungen zu finden.

Die 4 größten Anbaugebiete nach Ihrer Fläche in Hektar

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Brasilien
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Indonesien
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Kolumbien
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Mexiko

Weitere Kaffeeanbaugebiete und ihre Besonderheiten

Durchschnittlich ergibt sich je Hektar Kaffeeanbaugebiet ein Ertrag von mehr als 500 Kilogramm. Die weltweite Produktion kommt auf insgesamt mehr als fünf Milliarden Kilogramm (Roh-)Kaffee. Obgleich der eingangs benannte Gürtel die Gebiete für den Kaffeeanbau genau definiert, ergeben sich von Anbaugebiet zu Anbaugebiet zahlreiche Unterschiede und viele Raritäten.

Etwas zu kurz in dieser Darstellung kommt Afrika. So soll es wenigstens an dieser Stelle Erwähnung finden. Und dies, obgleich Afrika, besser Äthiopien, als Mutterland des Kaffees bezeichnet werden muss. Noch heute lebt jeder vierte Äthiopier in irgendeiner Weise vom Kaffee. Besonders ist hier der völlige Verzicht auf Chemikalien beim Anbau des Kaffees – zumindest in der Region Kaffa. Als Mittelamerika und der Karibik kommt ein meist herber, ausdrucksstarker Kaffee. Hauptakteure dieser Region sind Nikaragua und Jamaika.

Fazit zum Kaffeeanbau

Am Ende unserer kurzen Exkusion bleibt die Erkenntnis, dass der passionierte Kaffeetrinker zufrieden damit sein kann, wo der Kaffee heute angebaut wird. So braucht er sich nicht die Frage stellen, wie wohl ein Harzer-Kaffee schmecken könnte. Ob wohl der Kaffeeanbau nur auf einen schmalen Streifen rund um den Äquator, entlang des Kaffeegürtels liegt, ermöglichen die regionalen Unterschiede dennoch eine große Vielfalt an unterschiedlichen Sorten und Aromen.