Wussten Sie, dass ein normaler Espresso aus ca. 90% und eine Tasse Filterkaffee aus bis zu 98,5% Wasser besteht? Die Wahl des Wassers spielt daher bei der Zubereitung von Kaffee- und Espresso eine sehr wichtige Rolle und ist ein häufig unterschätztes Thema. Besitzt das Wasser schon vor der Zubereitung einen schlechten Geschmack, so wird sich dieser im Kaffee oder Espresso nicht sonderlich verbessern. Die erste Möglichkeit zur Verbesserung der Wasserqualität ist die Filterung des Hauseigenen Leitungswassers mit einem Wasserfilter. Wer jedoch nichts dem Zufall überlassen möchte, für den gibt es speziell abgefüllte Wassersorten für die Kaffeezubereitung. Ein bisschen Aufwand bei der Wahl oder Aufbereitung Ihres Wassers für die Kaffeezubereitung wird sich für Sie sicherlich in jeder Hinsicht auszahlen.

Was befindet sich in unserem Wasser?

Im Idealfall sollte das Wasser für Ihren Kaffee oder Espresso geruchslos und lupenrein sein. Die Mineralien, Salze und Metalle, welche in Ihrer Kombination mal mehr und mal weniger den Geschmack des Kaffees beeinflussen, sind optisch und geschmacklich kaum festzustellen. Bei uns in Deutschland gibt es flächendecken eine sehr gute Versorgung mit genießbarem Leitungswasser, die Qualität und die Zusammensetzung ist jedoch von Ort zu Ort und Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich. Es gibt Haushalte mit sehr weichem und sauberem Wasser aber auch Wohnorte, in welchen das Wasser härter und mit leichten Nebengeschmack aus der Leitung kommt.

Zu viel Kalk führt zu einem hohen Härtegrad

Hartes Wasser weißt eine starke Übersättigung mit Mineralien auf, welche die feinen Säurenoten des frischen Kaffees neutralisieren. Im Ergebnis bekommen Sie dadurch einen sehr flachen Kaffee oder Espresso mit nur sehr schwach ausgeprägten Aromen. Um dem entgegenzuwirken hilft nur eine höhere Menge Kaffeemehl oder optional ein etwas feinerer Mahlgrad, um die Kontaktzeit des Wassers zu verlängern. Dadurch könne noch mehr Aromen aus dem Kaffeemehl gelöst werden. Die Gefahr, welche jedoch bei einer zu langen Kontaktzeit von Kaffeemehl und Wasser besteht, ist das Herauslösen ungewollter Bitterstoffe aus dem Kaffee.

Weiches Wasser führt zur Überextraktion bei der Kaffeezubereitung

Bei zu weichem oder mineralienarmen Wasser kann es im Gegensatz dazu schnell zu einer Überextraktion des Kaffees kommen. Durch die Überextraktion werden wiederum viele unerwünschte Stoffe aus dem Kaffeemehl gelöst, welche dem fertig gebrühten Kaffee einen bitteren und sauren Beigeschmack verpassen.

Um diesen Problemen so gut es geht aus dem Weg zu gehen, gilt es die Sache an der Wurzel zu packen. Wird von Beginn an mit gutem bzw. aufbereitetem Wasser aufgebrüht, so steht einem unverfälschten Kaffeegenuss fast nicht mehr im Wege.

Die Wasserhärte und der Kalk…

Maßgebend für den Härtegrad des Leitungswassers ist der darin enthalten Anteil an gelöstem Kalk. Der Kalkanteil ist abhängig von der Art und der Beschaffenheit des Muttergesteins der Gegend, aus welcher Ihr Leitungswasser abstammt. Beim Erhitzen des Wassers löst sich der Kalk aus dem Wasser heraus und lagert sich von Zeit zu Zeit als feine weiße Schicht in Ihren Geräten und Leitung. Sehr deutlich wird dies in Gegenden, mit sehr hartem Leitungswasser. In der Dusche, auf dem Waschbecken und vor allem im Wasserkocher und in Ihrer Kaffeemaschine bilden sich schnell ungewünschte Ablagerungen des Kalks.

Für uns spielt aber mehr der Zusammenhang vom Kalk im heißen Wasser und dem frisch gemahlenen Kaffeemehl und die daraus resultierenden Qualität unseres Kaffees eine wichtige Rolle. Verschiedene Studien besagen, dass sich der Härtegrad des Wassers auf das Extraktionsverhalten der Aromastoffe aus dem Kaffeemehl auswirkt. Im Großen und Ganzen können wir uns merken, dass sich vor allem weiches Wasser gut für die Zubereitung von Kaffee und Espresso eignen. Alles im Bereich von mäßig bis hart wirkt sich negativ auf die Komplexität, den Körper und die Ausprägung der Geschmacksstoffe des Kaffees aus.

Bei der Zubereitung des Kaffees mit Vollautomaten oder Siebträgermaschinen hat weiches Wasser schon allein den Vorteil, dass die Espresso- und Kaffeemaschinen nicht so schnell verkalken und somit eine etwas höhere Lebensdauer erwartet werden kann. Einige Hersteller stellen sogar Ihren Garantieanspruch in Fragen, wenn Sie Ihr Gerät mit zu hartem Wasser befüllen. Eine Aufbereitung des Leitungswassers oder die Verwendung von spezielle Wasser für die Kaffeezubereitung ist daher nicht nur aus der geschmacklichen Perspektive sehr zu Empfehlen.

Weniger ist mehr – Wasser mit geringen Anteil an Mineralien

Für viele passionierte Kaffeegenießer ist es sehr wichtig, das Maximum an Geschmack und Aromen aus dem Lieblingskaffee herauszulösen. Hier kommt der Mineraliengehalt des verwendeten Wassers in Spiel. Je weniger Mineralien das Wasser besitzt, desto geringer ist der Einfluss des Wassers auf den Geschmack Ihres Kaffees oder Espresso. Fast jedes Tafel- oder Mineralwasser im Handel besitzt eine Auflistung der enthaltenen Mineralien mit der Angabe zur Konzentration, der sogenannten TDS-Wert („total dissolved solids“). Hier gilt es zu Recherchieren und zu Vergleichen, um für sich das ideale Wasser zu finden.

So gelingt das perfekte Geschmackerlebnis

In Gegenden mit weichem bis mäßig hartem Wasser reicht es aus, das Leitungswasser vor der Kaffeezubereitung zu filtern, um den Geschmack durch die enthaltenen Mineralien nicht zu beeinflussen.

In Regionen mit hartem Wasser empfiehlt sich die Verwendung von speziellem Wasser für die Kaffeezubereitung. Der zusätzlich hohe Kalkanteil wirkt sich nicht nur negativ auf den Geschmack aus, er verkürzt auch die Lebenszeit Ihrer Kaffee- und Espressomaschinen.

Wasser für Kaffee und Espresso

Das perfekte Wasser für die Kaffeezubereitung

Die SCAA („Specialty Coffee Association of America“) hat Richtlinien darüber festgelegt, welches Wasser sich am besten für die Zubereitung von Kaffee- und Espresso eignet. Es handelt sich hierbei nicht um irgendeine Organisation. Die SCAA ist die größte Organisation innerhalb der gesamten Kaffeebranche. Wenn Sie wissen möchten, ob Ihr Leitungswasser die Richtwerte den Richtlinien der SCAA entspricht, dann können Sie sich Ihre Wasserwerte von Ihrem Wasserversorger zukommen lassen. Dieser ist dazu verpflichtet die aktuellen Wasserwerte zu veröffentlichen. Wenn Sie dem nicht vertrauen, können Sie Ihr Wasser auch selbst mit kleinen und einfachen Wassertest prüfen und die Werte mit den nachfolgenden Richtwerten der SCAA vergleichen.

Nachfolgend finden Sie die Richtwerte für die Qualität von Wasser für die perfekte Zubereitung von Kaffee und Espresso. Die Werte stammen von der SCAA, der Specialty Coffee Association of America, einer der größten Verbände für Spezialitätenkaffee.

Richtwerte der SCAA für die perfekte Wasserqualität

0 mg/l
Chlor

Keine Tolreanz

0 mg/l
TDS-Wert*

Toleranz: 75-250 mg/l
*Summe gelöster Feststoffe

0
Härtegrad

Toleranz: 1-5 (17-85 mg/l)

0 mg/l
TA-Wert*

Toleranz: 1-5 (17-85 mg/l)
Alkalinität

0
pH-Wert

Toleranz: 6,5 – 7,5

0 mg/l
Natrium

Keine Toleranz

0 mg/l
Kalium

Toleranz: 5 -10 mg/l

0 mg/l
Kalzium

Toleranz: 30 -80 mg/l

Analysieren Sie mit einem Test-Set oder auf wasserversorger.de die Qualität Ihres Leitungswassers. Die Richtwerte der SCAA versprechen Ihnen die optimale Wasserqualität für die Kaffeezubereitung.

Unser Fazit zur Wasserqualität

Die Wasserqualität ist ein immer noch sehr häufig unterschätzes Thema. Der Gehalt an Mineralien und Kalk ist maßgeblich für die den Geschmack des Kaffees oder des Espresso mit verantwortlich. Das beste Equipment mit den den bestten Kaffeebohnen hilft Ihnen nicht viel weiter, wenn die Qualität des zum Brühen verwendeten Wassers nicht einigermaßen den Richtwerten entspricht. Bevor Maßnahmen zu Aufbereitung des Leitungswassers unternommen werden, gilt es die Quailtät des eignen Leitungswassers erst einmal festzustellen.

Mit Wasserfiltern oder dem Kauf von speziellem Wasser für die Kaffeezubereitung kann die Qualität und der Geschmack der Kaffeespezialitäten perfektioniert werden. Bei sehr hartem und kalkhaltigen Wasser sollten Sie auf alle Fälle etwas unternehmen, denn das Kalk wirkt sich nicht nur negative auf den Geschmack ihres Kaffees aus, er beeinträchtigt auch schnell die Funktion Ihrer Kaffee- oder Espressomaschine.