Der Kaffeebau mit seinen roten Kaffeekirschen, in welchen sich begehrten Kaffeebohnen befinden, ist eine vielgeschätzte Pflanze, die den Gaumen vieler Genießers erfreut. Verschiedene Umfragen und Markforschungsinstitute belegen die Aussage, dass der durchschnittliche deutsche Bürger mehr als 0,4 des leckeren Heißgetränks pro Tag konsumiert. Der Weg vom Samen bis zur geernteten Bohnen im Kaffeesack ist aber nicht so leicht, wie man es sich vielleicht vorstellen möchte. Manchen Kaffeepflanzen brauch bis zu 5 Jahren, bevor Sie das erste Mal Kirschen tragen.

Die Frage, zur welcher ich Ihnen in diesem Artikel die Antwort liefern möchte lautet daher: „Wie kommt die Kaffeebohnen eigentlich zu uns in die Tasse und welche Methode der Kaffeeernte ist dabei die Beste?

0 Jahre
bis zur ersten Ernte
0 Bohnen
pro Kaffeekirsche

Verschiedenen Methoden für unterschiedliche Kaffeequalitäten

Die Reise des braunen Goldes beginnt häufig in bergigen Regionen, wo dieser besonders gut gedeiht. Teils werden die kostbaren Pflanzen an steilen Hängen kultiviert, die für Fahrzeuge und große Maschinen schwer zugänglich sind. Länder wie Brasilien, Costa Rica oder die Elfenbeinküste, die über viele Höhenlagen verfügen sind deshalb besonders erfolgreich in der Kaffeeproduktion. Nach etwa sieben Monaten erlangen die Früchte des Kaffeebaums, die sogenannten Kirschen, einen günstigen Reifegrad. Reife Kirschen erkennt man daran, dass sie rötlichen Färbung sowie an ihrem leicht süßlichen Geschmack.

So unterschiedlich die Anbaugebiete sind, so unterschiedlich sind auch die jeweiligen Verfahren zur Kaffeeernten: der günstigste Zeitpunkt, die Dauer und auch das angewandte Verfahren hängen stark von geographischen Gegebenheiten, insbesondere dem Klima ab.

Die verschiedenen Arten der Kaffeeernte

Um Kaffee möglichst kostengünstig zu ernten, empfiehlt sich die in Brasilien weit verbreitete Maschinenernte. Dabei schütteln große Maschinen die Gehölze bis die Kirschen, deren Samen besser als Kaffeebohnen bekannt sind, abfallen. Der Einsatz von Maschinen ermöglicht neben einem schnellen Ergebnis auch Einsparungen bei Arbeitskräften. Unglücklicherweise geht die Kostenersparnis bei dieser Methode zu Lasten der Qualität, da die Früchte statt optimal zu reifen alle gleichzeitig gepflückt werden. So ist ein weiterer Vorgang notwendig, um unreife Kirschen, Blätter und Getriebe auszusortieren. Wo wir gerade so schön beim Thema sind.

Oftmals fragen uns Kunden, wie denn eigentlich koffeinfreier Kaffee angebaut wird. Die Frage ist ganz leicht zu beantworten. Die Kaffeebohnen des koffeinfreien Kaffees unterscheiden sich nicht von den „normalen“ Kaffeebohnen. Es sind schlicht und ergreifend dieselben. Das Koffeein wird den Rohkaffeebohnen erst kurz vor dem Rösten mithilfe verschiedener Verfahrensweisen entzogen.

Das Ernteverfahren ist entscheidend

Kaffeeernte im Strip-Picking Verfahren

Eine Alternative dazu bietet das „Strip-Picking“. Dabei wird ein Großteil der Früchte von Hand geerntet, alle Kirschen werden mit einer raschen Bewegung abgekämmt. Der schnelle, selektive Vorgang ähnelt der Maschinenernte und wird angewandt, wenn Maschinen aufgrund der steilen Abfälle in manchen bergigen Gebieten ausscheiden.

Zwar überzeugt diese Art der Ernte mit ihrer Einfachheit und ihrer Effizienz, dennoch müssen die reifen Kirschen in einem weiteren Vorgang von den unreifen sortiert werden. Das kostet nicht nur zusätzlich Zeit, sondern führt auch zur Verschwendung vieler, nicht optimal gereifter Kirschen.

Das händische Picking – die aufwendigste Art der Kaffeeernte

Schließlich die traditionelle und effektivste Methode, um hochwertigen Kaffee zu erzielen: das „Picking“. Hierbei werden seit Generationen nur die vollends gereiften Früchte in mühsamer Arbeit auserlesen und einzeln von Hand gepflückt.

Durch regelmäßige Kontrollen des Reifegrads garantiert der Erzeuger dabei die einzigartige Qualität des Kaffees. So wird verhindert, dass Lesehelfer sich den Lohn für ihre schwere Arbeit  durch die Ernte unreifer Kirschen aufbessern. Besonders beliebt ist diese Art der Ernte bei Lieferanten für hochwertige Firmen, etwa solche mit Sitz in Europa, deren Kunden hohe Standards erwarten. Klassisch werden auch fast alles Biokaffees auf diese Art und Weise geerntet.

Wer würde schließlich italienischen Espresso kaufen wollen, wenn man erführe, dass dieser mit Maschinen auf einem brasilianischen Hügel abgemäht und später grob sortiert wurde? Wohl kaum jemand. Viel schmackhafter ist da schon die Vorstellung, dass Tausende Kirschen an einem grünen Hang reifen und nach sorgfältiger Überprüfung mit geschickten Handgriffen in einen Korb zu anderen, perfekt gereiften Früchten gelegt werden.

Der weitere Verlauf der Kaffeeernte

Nach der Ernte werden über- sowie unreife Kirschen aussortiert, was in ärmeren Regionen per Hand geschieht. In entwickelten Ländern nehmen Wassertanks den Menschen diese mühsame Aufgabe ab. Bei diesem Prinzip werden die Kirschen in einen großen wassergefüllten Behälter gegeben. Reife Früchte sinken dabei nach unten, wohingegen unreife oben schwimmen und abgeschöpft werden. Die reifen Kirschen jedoch werden zur Aufbereitung gepumpt, von wo aus die auserlesenen Bohnen geröstet den Weg in Ihre Kaffeetasse finden.

Wer sortiert die geernteten Kaffeebohnen?

Nach dem Pflücken gilt es nich die über- und unreifen Kaffeekirschen auszusortieren. Es gibt dafür verschiedenen Methoden. In Anbaugebieten mit billigen Arbeitkräften wird das Sortieren per Hand durchgeführt, für teure Sortieranlagen ist oftmals leider das Geld zu knapp. In entwickelteren Ländern sind meist die finanziellen Mittel vorhanden, um sich Sortieranalagen aus Wassertank anzuschaffen. Die Methode ist genauso simpel wie genial. Die geernteten Kaffeekirschen kommen alle in die mit Wasser befüllten Tanks. In den Wassertanks sinken die reifen Kaffeekirschen nach unten und die unreifen und überreifen bleiben schwimmend an der Wasseroberfläche. Zur weiteren Verarbeitung werden die reifen Früchte abgepumpt, die unreifen und überreifen Kaffeekirschen zur anderweitigen Verwetung abegschöpft.

Das händische Picking bringt das beste Ernteergebnis

Was passiert mit den abgefallenen Kaffeekirschen?

Weil das Liegenlassen abgefallener Früchte zu Schädlingsbefall führen kann, werden Früchte, die selbst vom Baum fallen, von den Kaffeebauern aufgesammelt. Diese Kirschen werden, unabhängig vom Grad der Reifung, zu minderwertigen Posten gegeben, die somit selbst in sehr hochwertigen Plantagen unvermeidbar sind.

Warum teureren Kaffee aus Entwicklungsländern kaufen?

Zwar sinkt in vielen Schwellenländern die Bereitschaft, für einen geringen Lohn Kaffee zu ernten, trotzdem arbeiten die Erntehelfer dort noch immer unter unfairen Bedingungen. Viele Plantagenbesitzer sind außerdem nicht dazu bereit, mehr für diese harte Arbeit zu zahlen.

Langfristig bleibt jedoch zu erwarten, dass auch in Entwicklungsländern die Arbeitsbedingungen an internationale Standards angepasst werden und die Kaffeeernte wieder zu einem attraktiveren Beruf wird. Dies wird dadurch unterstützt, dass immer mehr Menschen bereit sind, einen höheren Preis für faire Löhne zu zahlen.

In Mittelamerika wird beispielsweise versucht, das Problem anhand von Wanderarbeitern aus ärmeren Ländern mit einem niedrigeren Lohnniveau zu lösen. Je nach Erntezeit und Phase werden dazu Gastarbeiter aus ärmeren Ländern auf die Kaffeeplantagen zur Ernte geholt. Für diese Arbeitskräfte liegt der Lohn für die Kaffeeernte oftmals weit über dem Niveau ihres Heimatlandes. In Puerto Rico geht man mittlerweile sogar so weit, dass für die Kaffeeernte sogar Strafgefangene eingesetzt werden, welche sich in Ihrer Haft dadurch etwas für ihr späteres Leben hinzuverdienen können.

Welche Kaffeeernte-Methode ist also die Beste?

Einerseits überzeugen sowohl Maschinenernte als auch Strip-Picking mit Kostenersparnis gegenüber dem Picking, andererseits leidet genau darunter die Qualität des Produkts.

Das Picking ist zwar mit Abstand die aufwendigste und teuerste Möglichkeit, garantiert aber mit Abstand die höchste Qualität des Kaffees. Ein wahrhafter Liebhaber wird also kaum vor dem höheren Preis des Pickings zurückschrecken, denn: es lohnt sich. Ein informierter Kunde, der an guten Arbeitsbedingungen interessiert ist, wird ein besonderes Augenmerk darauf legen, dass der Kaffee aus einem entwickelten Land stammt, in dem die Erntehelfer gerecht entlohnt werden.

Wem es also in erster Linie um den Koffein-Schub geht, für den ist die Maschinenernte eine ernstzunehmende Alternative,  soll es ein Mittelweg zwischen niedrigen Kosten und Genuss sein, empfiehlt sich auch Strip-Picking.