Das enorme Potential, welches sich hinter Boliviens Kaffeeanbau verbirgt, wird aktuell leider nur sehr schwach ausgeschöpft. Die Kaffeeindustrie Boliviens umfasst derzeit etwa 23.500 kleine Familienbetriebe mit durchschnittlich zwei bis neun Hektar Anbaufläche für Kaffeepflanzen. Die Menschen in Bolivien verbrauchen ca. 35% des produzierten Kaffees für den eigenen Konsum. Somit steht dem weltweiten Handel nur eine sehr beschränkte Menge an bolivianischen Rohkaffee zur Verfügung. Für den Export dieser Restmenge sind aktuell etwa 35 private Firmen zuständig.

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Säcke à 60 Kilogramm

Die Kaffeeindustrie in Bolivien

Das im südamerikanischen Raum angesiedelte Land Produziert bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts Kaffee in sehr kleinem Maße. Mit einer Fläche, die in etwa so groß ist wie die von Äthiopien, zählt Bolivien schon mehr zu den etwas größeren Kaffeeanbaugebieten. Durch den jedoch sehr geringen Anteil am weltweiten Handelsvolumen ist bisher nur sehr wenig über den genauen Beginn, die Geschichte und die Entwicklung des Kaffeeanbaus in Bolivien bekannt. Einer der Gründe, warum sich der Kaffeeanbau Boliviens in den letzten Jahren nicht so stark entwickelte wie in den anderen Kaffeeanbaugebieten entlang des Kaffeegürtels ist die ungünstige Lage des Landes. Bolivien liegt im mittelamerikanischen Inland und besitzt somit keinen direkten Zugang zum Meer, was speziell für den Export von Rohkaffee eine sehr wichtige Grundvoraussetzung darstellt. Durch die langen Transportwege durch das sehr dünn besiedelte Land, zu den Häfen die anliegenden Länder, fallen neben zusätzlichen Kosten auch hohe zeitliche Aufwendungen an.

Ein großes Problem ist die Armut Boliviens

Durch die enorme Armut der Bevölkerung des Landes sind viele Farmer auf sichere und konstante Einnahme angewiesen, um die Existent Ihrer Familien zu sicher. Viele Bauern konzentrieren sich daher lieber auf den Anbau von Cocapflanzen, welche anschließend für die Herstellung von Kokain verwendet werden. Dies hat drastische Auswirkungen Boliviens Kaffeekultur.

Die Grundpfeiler der Wirtschaft in Bolivien sind daher immer noch die Förderung von Erdgas, der Bergbau und die Landwirtschaft, ausgenommen davon der Kaffeeanbau. Den größten Anteil der landwirtschaftlichen Erträge bildet der Anbau von Coca Pflanzen, welche für die Herstellung des weltweiten Kokainbedarfs verwendet werden. Die Bevölkerung in Bolivien gilt als überdurchschnittlich arm. Etwa 20% der Bevölkerung leben sogar in extremer Armut. Durch den Anbau von Coca für die Herstellung von Kokain können die bolivianischen Bauern Ihre Existenzen sicher, da die Preise für Kokain auf dem weltweiten Drogenmarkt von Jahr zu Jahr immer stärker steigen. Einen kleinen Lichtblick für den Kaffeeanbau des Landes gab es zwischen 2010 und 2011. In diesen beiden Jahren stiegen die Preise für Rohkaffee an den Börsen unerwartet stark an, sodass viele bolivianischen Bauern mit der finanziellen Unterstützung staatlicher Antidrogenprogramme zum Anbau von Rohkaffee überzeugt werden konnten. Zum Nachteil der Bauern hielten sich die Rohkaffeepreise aber nicht lange auf diesem Niveau, sodass viele Farmer Ihre Konzentration wieder auf den Anbau von Cocapflanzen lenkten

Bolivianischer Rohkaffee zählt zu den aussterbenden Varietäten

Theoretisch betrachtet hat das Land Bolivien die besten Voraussetzungen für den Anbau von hochwertigen Rohkaffeesorten. Die konstant wechselnden Feucht- und Trockenzeiten, die stabilen Temperaturen und die notwenigen Höhenlagen sind ideal für den Anbau der bei uns sehr verbreiteten und beliebten Hochlandkaffeesorten, auch bekannt unter dem Begriff Hochlandarabicas. Einige Kaffeefarmer haben es in den letzten Jahren geschafft, sehr exzellente, hochwertige und vor allem sehr komplexe Kaffeevarietäten (= unterschiedliche Ausprägungen von Kaffeesorten) zu kreieren. Praktisch scheitert es jedoch immer noch an der Weiterverarbeitung und dem Transport. Die meisten Kaffeebauern ernten die reifen Kaffeekirschen und transportieren diese anschließend sofort zu zentral gelegenen Aufbereitungsanlagen. Dabei entstehen zwei wesentliche Probleme, welche die Qualität des Rohkaffees stark in ihre Mitleidenschaft ziehen. Die hohe Restfeuchte in den frisch geernteten Kaffeekirschen kann zur Folge haben, dass die Kaffeebohnen während des Transports gefrieren oder zu gären beginnen. Beides wirkt sich stark negativ auf die Qualitätseinstufung des fertig Verarbeiteten Rohkaffees aus, was wiederum den Preis stark beeinflusst.

Die zukunftsorientierten Kaffeebauern gingen daher den Schritt und investierten in eigene Aufbereitungsanlagen, welche durch Subventionen von Drogenbekämpfungsprogrammen der Vereinigten Staaten starke gefördert wurden. Der Großteil der geernteten Kaffeekirschen wird nun direkt selbst von den Kaffeebauern nass in eignen Waschstationen aufbereitet. In seltenen Fällen finden sich aber auch vereinzelt kleinen Farmen, welche Ihren Rohkaffee in mühseliger Handarbeit trocken und ohne den Einsatz von Pestiziden weiterverarbeiten.

Trotz dieses Fortschritts ist es aber leider immer noch so, dass Bolivien im Punkto Kaffeeanbau den angrenzenden Kaffeeproduzenten wie unter anderem Brasilien und Kolumbien noch sehr stark nachhinken. So lange es bei uns noch bolivianische Spitzenkaffees zu kaufen gibt, sollte man diese Chance nutzen, auch wenn das Kilo Kaffee dann auch mal ein paar Euro mehr kostet und man seine persönliche Schmerzgrenze überschreiten muss. Denn schon morgen könnte es passieren, dass die Kaffeebohnen aus Bolivien aus unseren Regalen verschwinden.

So schmeckt der Kaffee aus Bolivien:

Durch die überwiegen nasse und nur sehr selten trockene Aufbereitung entwickeln die Rohkaffeesorten aus Bolivien einen allgemein sehr süßlichen Geschmack mit teilweise sehr ausgeprägten Schoko- und Kakaonoten. Nur äußerst selten findet man einen bolivianischen Kaffee mit fruchtigen Geschmacksausprägungen. Diese finden sich dann ausschließlich auf gut geführten Hochlandplantagen, welche ihre geernteten Rohkaffeebohnen entsprechend sorgfältig aufbereiten

Boliviens Kaffeeanbaugebiete

Die Hochlandplantagen entlandg der Yungas Road

Mehr als 90% des in Bolivien angebauten und geernteten Rohkaffees stammen aus den Kaffeeanbaugebieten entlang der Yungas Road. Der Yungas ist ein stark bewaldeter Streifen Hochland, welcher sich entlang der Ostflanke der Anden von Peru bis nach Argentinien erstreckt. Hier finden sich einige der höchst gelegenen Hochlandplantagen der Welt. Geschichtlich betrachtet wird der Kaffeeanbau hier schon am längsten betrieben. Die hohen Anbaugebiete eignen sich dabei hervorragend für den Anbau verschiedener Arabica Varietäte, welche sich vor allen im europäischen Raum einer sehr großen Beliebtheit erfreuen. So schön und idyllisch auch alles klingen mag, ein großes Problem spielt vor allem auf den Kaffeeplantagen im Yungas einen sehr entscheidenden Rolle.

Die Abnehmer der Kaffeebauern im Yungas müssen die berüchtigte Yungas-Straße passieren, wenn Sie den frischen Rohkaffee zur weiteren Verarbeitung transportieren möchten. Die Straße trägt auch den unehrenhaften Spitznamen „Die Todesstraße“. Die sehr enge und einspurige Straße wurde von Hand über die weit erstreckten Bergflanken errichtete und biete keinerlei Sicherheitsvorkehrungen. Es gibt stellen an denen abkommenden Fahrzeuge bis zu 600 Meter in die Tiefe stürze, was bei der immer höheren werden Verkehrsdichte immer häufiger vorkommt. Die aus diesem Gebiet stammen Kaffeebohnen sind von einer sehr hohen Qualität und auch beim Anbau werden fast keinerlei Giftstoffe, Pestizide oder andere Pflanzenschutzmittel verwendet, da der Transport in die Anbaugebiete einfach viel zu mühselig und gefährlich ist.

Der Kaffeeanbau im Yungas Gebiet erfolgt hier in Höhen von etwa 900 bis 2400 Meter über den Meeresspiegel. Typisch sind die Anbauhöhen für die bei uns sehr beliebten Hochland Arabica Kaffeebohnen. Der Großteil der Kaffeeernte wird von den ansässigen Kaffeebauern zwischen Juli und November eingefahren, das Meiste in mühseliger und aufwendiger Handarbeit!

Kaffeeanbau in Santa Cruz

Santa Cruz ist eine Region in welcher zwar Kaffeeanbau betrieben wird, dieser dort aber nur einen sehr untergeordneten Stellenwert besitzt. Das ländliche Struktur ist eher als Flachland zu betrachten und neben Kaffee wird dort mehr der Fokus auf aus den Anbau von Holz und Reis, sowie die Förderung von Erdgasvorkommen gesetzt. Die Kaffeefarmen in Santa Cruz befinden sich in Höhen von etwa 400 Metern und werden in der Zeit von Juli bis November abgeerntet.

Das Flachland von Beni

Eigentlich könnten man die Kaffeefarmen in der Region Beni zu den Farmen von Yungas zählen. Aufgrund der starken Unterschiede bezüglich der Höhe, auf welcher sich die Farmen befinden, möchte ich diese an dieser Stelle jedoch abgrenzen und separat erwähnen. Das Beni Gebiet ist im Gegensatz zum Yungas eine sehr großes, flachen und äußerst dünn besiedeltes Gebiet. Durch die flache Struktur finde hier auch der Großteil der bolivianischen Viehzucht statt. Neben den Kaffeeplantagen finden sich hier außerdem auch sehr viele und ertragreiche Reis-, Kakao- und Fruchtplantage. Die Kaffeefarmen befinden sich im hier in maximalen Höhen von 180 Metern über den Meeresspiegel, was im Gegensatz zu den Farmen in Yungas (ab 900 Meter) doch ein sehr deutlicher Unterschied ist. Geerntet wird hier jedoch auch in der Zeit von Ende Juli bis Mitte November.

Mein Fazit zum Kaffeeanbau in Bolivien

Das Land bietet durch seine reichlich vorhandenen Anbauflächen in hohen Lagen sehr viel Potential zum Anbau sehr hochwertiger Rohkaffeesorten. Vor allem die verschiedenen Arabica Varietäten könnten hier besten wachsen und gedeihen und sich vor allem im europäischen Raum zu wahren Delikatessen im Bereich der Filterkaffeezubereitung entwickeln. Leider stehen dem zu viele Probleme innerhalb des Landes entgegen. So lange sich die Farmer mehr auf den Anbau von Cocapflanzen zur Kokainherstellung konzentrieren und sich der Staat nicht bemüht, die Infrastruktur innerhalb des Landes zu verbessern, wird es sich auch in Zukunft sehr schwierig für die vorhandenen und potentiellen Kaffeebauern gestalten, das vorhandene Potential bestmöglich auszuschöpfen.