Schlaf und Energie sind die wahren Luxusgüter unserer Zeit – besonders für junge Eltern. Denn der Nachwuchs benötigt zu jeder Zeit Pflege und Aufmerksamkeit, doch die Tageszeiten sind diesem völlig egal. In dieser schönen aber auch strapazenreichen Zeit wären ein oder zwei Tassen Kaffee eine wahre Wohltat für den Körper und die Seele. Aber halt, stopp! Dürfen Sie, als junge Mama, überhaupt Kaffee in der Stillzeit trinken? Ja, Sie dürfen. Allerdings in Maßen. Um Ihnen und Ihrem Neugeborenen gesundheitlich nicht zu schaden, zeigen wir Ihnen, worauf Sie beim Kaffee und Koffein während der Stillzeit achten sollten.

Koffein während der Stillzeit in der Muttermilch

Grundsätzlich stecken in der Muttermilch alle wichtigen Nährstoffe, die das Baby für die Entwicklung braucht. In ihr können sich aber auch schädliche Stoffe, wie Nikotin oder Alkohol befinden.

Koffein gelangt ebenfalls über den Blutkreislauf in die Muttermilch und ist dort, nach der Einnahme eines koffeinhaltigen Lebensmittels, circa eine Stunde später nachweisbar. Über die Muttermilch gelangt das Koffein in den Blutkreislauf des Kindes. Dort wirkt es wie bei Erwachsenen: antriebssteigernd und belebend. Wenig Koffein bereitet keine Schwierigkeiten und das Kind wird es kaum bemerken. Bei einer erhöhten Konzentration kann es allerdings zu Hyperaktivität, Unruhe und wenig Schlaf führen. Außerdem wird es so schwieriger, das Kind an regelmäßige Bettzeiten zu gewöhnen.

Halbwertszeit von Koffein

Das im Kaffee oder Espresso enthaltene Koffein benötigt circa 20 bis 40 Minuten bis es im Blutkreislauf ankommt. Dort beträgt die Halbwertszeit für das Koffein im Körper der Mutter zwischen drei und fünf Stunden. Halbwertszeit bedeutet, dass in dieser Zeit die Hälfte des sich im Blutplasma befindenden Koffeins abgebaut wird. Der Abbau erfolgt über das Enzym Cytochrom. Bei Neugeborenen dauert der Abbau allerdings viel länger, diese benötigen bis zu 82 Stunden um die Hälfte des Koffeins abzubauen. Diese biochemischen Prozesse können Sie sich zunutze machen. Wenn Sie beispielsweise direkt nach dem Stillen Kaffee trinken, hat Ihr Körper genug Zeit das Koffein zumindest teilweise abzubauen.

Und laut einer Studie von Lampe et al. (2000) können Sie den Abbau des Koffeins sogar noch beschleunigen, indem Sie viel Brokkoli oder Kohl essen. Denn diese erhöhen den Spiegel des Enzyms Cytochrom, welches für den Abbau verantwortlich ist.

Studie belegt keine negativen Effekte

Eine brasilianische Studie aus dem Jahr 2012 wollte es genauer wissen: hat der Konsum von Kaffee einen negativen Einfluss auf den Schlaf der Kleinen? Um diese Frage zu beantworten, interviewten Santos und ihre Kollegen 885 Mütter und untersuchten die Schlafgewohnheiten des Nachwuchses. Die Forscher fanden heraus, dass fast keine Frau während der Schwangerschaft oder Stillzeit vollständig auf Koffeinhaltige Getränke verzichtet hatte. Fast 20 Prozent der Frauen kamen sogar über die empfohlene Höchstkonzentration von 300 Milligramm Koffein pro Tag. Insgesamt wachten aber nur 15% der Babys ungewöhnlich oft auf, als „ungewöhnlich oft“ definierten die Forscher mehr als dreimal pro Nacht.

Die Forscher kamen somit zu dem Schluss: „Moderater Koffeinkonsum in Schwangerschaft und Stillzeit scheint in den ersten drei Lebensmonaten keinen Einfluss auf den Schlaf von Säuglingen zu haben“.

Richtwerte der Gesundheitsorganisationen

Weitere Studien bestätigen die Annahme, dass der Konsum von Koffeinhaltigen Getränken keinen schädlichen Einfluss auf den Schlaf von Babys hat. Einzige Voraussetzung: Kaffee, Espresso und co. sollten in Maßen genossen werden.

Die Richtwerte für „in Maßen“ liegen bei den meisten Gesundheitsorganisationen in einem ähnlichen Bereich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt maximal 300 Milligramm Koffein pro Tag als Höchstgrenze. Denselben Wert empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) auch.
Sie sollten allerdings aufpassen, denn Koffein ist nicht nur in Kaffee enthalten. Pro 100 Milliliter enthält Kaffee 80 Milligramm, Espresso kommt sogar auf 100 Milligramm und Schwarzer Tee auf 25 Milligramm Koffein. Energiedrinks und Schokolade enthalten ebenfalls Koffein.

Unser Fazit zum Koffein während der Stillzeit

Alle Fakten zusammen betrachtet ergibt sich folgende Aussage: Mama darf Kaffee trinken, nur sollte Sie ihn in Maßen genießen. Gegen ein bis zwei Tassen pro Tag gibt es aber aus keiner Perspektive etwas einzuwenden.

Falls Sie vollkommen sicher gehen wollen, trinken Sie Koffeinhaltige Getränke nach dem Stillen, dann geben Sie Ihrem Körper genug Zeit das Koffein abzubauen, bevor Sie Ihren Nachwuchs das nächste Mal stillen. Lassen Sie es sich schmecken.

Foto: ©Guillaume de Germain, Unsplash