Auf unserer kollektiven Suche nach mehr Zeit bzw. in dem Bestreben, in möglichst wenig Zeit möglichst viele Aufgaben zu erledigen, hat sich der Coffee to go in Westeuropa mehr oder weniger etabliert. Der hetzende Mensch, in der rechten Hand eine Aktentasche und in der linken einen Einwegbecher aus Pappe mit dampfenden Kaffee, gehört fest zum Alltagsbild einer Stadt dazu. In ganz Europa? Mitnichten. Im Ursprungsland des Espresso regt sich erbitterter Widerstand gegen den Coffee to go, gegen den Coffee da asporto, den Espresso zum Mitnehmen. Warum das so ist und welcher Erfolg dieser Bewegung beschieden sein mag, versuchen wir in den nächsten Absätzen zu ergründen.

Der Kaffee-Trend zum Mitnehmen

Auch Italien kann sich dem Trend des „Kaffee zum Mitnehmen“ nicht entziehen. „Espressi to go“ oder „da asporto“ ist in den Cafés in Rom, Mailand und Neapel fast genauso häufig zu hören wie in Wien, Berlin, Paris oder London. Viele Italiener kaufen ihren Kaffee mittlerweile eher bei Starbucks als im klassischen Café. Der Grund dafür ist ein ähnlicher wie im übrigen Europa: Die Leute haben immer weniger Zeit, sich zum Espresso-Trinken in ein Café zu setzen. Allerdings sprechen die italienischen Barista nicht mehr von einem Espresso, wenn dieser mit dem Zusatz „zum Mitnehmen – da asporto“ bestellt wird. Denn weitaus intensiver als in anderen Ländern folgt der Genuss eines Espressos in Italien einem ganz bestimmten Ritual. Das Tässchen für den Espresso muss auf 40 Grad Celsius angewärmt sein. Zum Espresso gehört zudem ein Glas Wasser. Und der Espresso muss schnell getrunken werden, da sich auf seiner Oberfläche nur kurzzeitig eine flüchtige Creme bildet. All das ist mit einem Espressi to go schwerlich zu erfüllen.

Wachsende Nachfrage nach Coffee to go

Trotz dieser Probleme gehen auch die italienischen Cafébetreiber davon aus, dass der Kaffee zum Mitnehmen in Italien in der Zukunft einer stärkeren Nachfrage unterliegen wird. So hat unlängst Starbucks seine erste Röstfiliale in Mailand eröffnet. Die Italiener wären keine Italiener, wenn sie dieser Tatsache nicht als Herausforderung betrachten würden. Diesem Trend, dem, wie eingangs geschildert, eine soziale Bewegung zugrunde liegt, kann man nicht durch Ignorieren begegnen. Frei nach dem Motto: Wenn der Trend des Kaffeetrinkens nicht mehr der Kaffeekultur entspricht, muss sich die Kultur nach dem Trend richten. Italienische Barista haben bereits Ideen entwickelt, wie „Espressi to go“ mit der klassischen Espresso-Kultur kombiniert werden kann.

Kaffee to Go: folgen für die Umwelt eklatant

Neben der richtigen Sorte und dem Können des Barista hängt die Qualität des Espressi zum Mitnehmen auch von dem Gefäß ab, in dem er serviert wird. Es lässt sich leicht nachvollziehen, dass es zwischen dem glatten, fast samtigen Porzellan und dem rauen, leicht aufgelösten Pappbecher rein qualitativ beim Kaffeegenuss zu einem Qualitäts-Unterschied kommen muss. Überhaupt liegt im Becher-to-go ein mittlerweile größer werdendes Entsorgungsproblem. Allein in Deutschland fallen jährlich mehr als 7,5 Millionen Pappbecher an. Möglich, dass der Italiener (und nicht nur er) in Zukunft einen espressi to go in einer Pfand-Porzellan-Tasse trinkt – vielleicht auch bei Starbucks.

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