Bei uns ist der Begriff des Caffe Americano nocht nicht so verbreitet wie in vielen anderen europäischen Länder. Vor allem Urlauber in Italien werden in den italienischen Kaffee- und Espressobars häufiger mit der Begrifflichkeit konfrontiert, wenn beim Kellner ein „Caffe“ bestellt wird. Dieser stellt dann nicht selten die Frage „Caffe Americano“ oder „Espresso“? Die Namensgebung „Caffe Americano“ lässt bereits auf den ersten Blick auf einen Zusammenhang mit Amerika schließen. Es handelt sich beider dieser Kaffeevariante allerdings nicht um eine amerikanische Spezialität, sondern um eine Espresso-Variation, die nicht in Amerika, sondern in Italien entstanden ist – mit einer nicht weniger außergewöhnlichen Geschichte.

Die Geschichte des Caffe Americano

1943 im zweiten Weltkrieg landeten amerikanische Truppen in Italien, welches sich mit dem nationalsozialistischen Deutschen Reich verbündet hatte. Sie sahen sich dort aber nicht nur mit einer feindlichen Armee, sondern auch mit einer völlig fremden Küche und einer völlig anderen Art der Kaffeezubereitung konfrontiert.

Ihre Abneigung galt unter Anderem dem italienischen Espresso, heute in aller Welt beliebt, damals viel zu stark und aromatisch für die ungeübten amerikanischen Gaumen. Die Amerikaner waren es aus der Heimat gewohnt, große Tasse Filterkaffee zu trinken, der italienische Espresso war hier genau das Gegenteil. Die Namensgebung zum Caffe American folgte allerdings erst einige Jahrzehnte später, als sich die Methode längst etabliert hatte.

Not macht bekanntlich erfinderisch

Ursprünglich folgten die amerikanischen Soldaten der intuitiven Idee, dem intensiven und stark aromatischen italienischen Espresso, kaltes Wasser hinzuzufügen. Eine ähnliche Methode konnte sich bis heute durchsetzen: Zuerst wird der Espresso wie gewohnt zubereitet; portioniert und bei ca. 93°C gebrüht, mit dem Unterschied, dass er diesmal in eine große Tasse gegossen wird. Denn anschließend wird dem fertigen Kaffee noch stilles heißes Wasser hinzugefügt. Die zweite Wassermenge entspricht mindestens der Menge eines Espresso von 25ml, wobei hier jeder nach seinem persönlichen Geschmack entscheiden kann.

Das Ergebnis ist ein weniger intensiv starker „langer Kaffee“, der allerdings die gleiche Menge Koffein enthält wie ein Espresso und dessen Aroma nicht durch Zusätze wie Milch oder Zucker verändert wird. Ein Caffe Americano ist für Sie genau das Richtige, wenn Sie wie die amerikanischen Soldaten herkömmlichen Espresso als zu stark empfinden, sehr viel Kaffee trinken oder an einem empfindlichen Magen leiden, welcher auf Kaffeesäure schnell reagiert.

Verwechslungsgefahr – Caffè Americano und Caffè Lungo

Vielleicht erinnert Sie dieses Verfahren an einen Kaffee namens „Lungo“. Verwechseln dürfen Sie diese beiden Kaffeevariationen jedoch nicht. Die beiden Variationen unterscheiden sich darin, dass beim Kaffee Lungo das zusätzliche Wasser bereits beim Brühen aus dem Siebträger hinzugefügt wird. Statt 25ml wird der Brühvorgang einfach verdoppelt, wodurch Sie im Schnitt etwa 50ml Lungo ins Glas bekommen. Der Lungo wird dadurch wesentlich kraftvoller und intensiver als der Caffè Americano, da auch die zusätzlichen 25ml Brühwasser im Kontakt mit dem frisch gemahlenen Kaffeebohnen standen.

Verglichen mit anderen Kaffeevariationen wie Latte Macchiatto oder Ciocolaccino ist ein Kaffee Americano also sehr einfach in der Zubereitung: man muss nur einen Espresso zubereiten und diesen anschließend mit heißem Wasser aufgießen. Natürlich kann und soll auch diese Rezeptur individuell angepasst werden, etwa durch weniger Wasser oder eine bestimmte Sorte Kaffeebohnen.

Sind sie schon in Kaffeelaune und möchten am liebsten gleich selbst ausprobieren, wie Sie Ihren perfekten Kaffee Americano kreieren? Dann steht einer guten Tasse amerikanisch-italienischem Kaffeegenuss nichts mehr im Wege! Oder vielleicht gleich zwei, denn dank des großen Wassergehalts ist der Americano schließlich sehr gut verträglich – auch mit Nachtschlaf.

Fotos: © Anete Lūsiņa, Unsplash